BLENDED-LEARNING-FORTBILDUNG FÜR BERUFSCHULKRÄFTE IM FACH ENGLISCH

 
 

Englisch im Bildungsauftrag der Berufsschule

Bereits in der beruflichen Erstausbildung gilt es den Herausforderungen des modernen Arbeitsmarkts gerecht zu werden, der durch europäische Vernetzung und zunehmende Globalisierung geprägt ist. Damit zukünftige Fachkräfte die Chancen einer flexiblen Arbeitsplatzwahl innerhalb Europas nutzen können, und berechtigte Forderungen des dualen Partners Berücksichtigung finden, ist die jeweilige berufliche Handlungskompetenz an diese Erfordernisse anzupassen. Der Erwerb kommunikativer Kompetenzen in mindestens einer Fremdsprache spielt dabei eine Schlüsselrolle. Als Teil der beruflichen Handlungskompetenz ist die Fremdsprache Englisch in den Lehrplänen der Berufsschule angesiedelt.

Innerhalb des lernfeldorientierten Unterrichts berücksichtigt der Bildungsauftrag der Berufsschule den Erwerb berufsrelevanter kommunikativer Kompetenzen in vielfältiger Weise. So ist in Abhängigkeit der verschiedenen Fachrichtungen Englisch als eigenständiges Fach in verschiedenen Berufsfeldern und Ausbildungsberufen im Stundenplan verankert oder aber integraler Bestandteil der jeweiligen Lernfelder oder ein Zusatzangebot in Form eines Wahlfachs z.B. zum Erwerb des mittleren Schulabschlusses an der Berufsschule.
Die Umsetzung des Unterrichts, der Englisch als Fachsprache zum Erwerb beruflicher Handlungskompetenzen berücksichtigt, stellt spezifische Herausforderungen an die Unterrichtsgestaltung und das Bildungspersonal:

Im Sinne der Personalentwicklung erhalten Lehrkräfte der Berufsschulen Unterstützung durch ein modular aufgebautes und an die unterschiedlichen Bedürfnisse angepasstes Fortbildungsangebot, das diesen Herausforderungen begegnet.
 

-       Lehrkräfte, die das Fach Englisch unterrichten, sollen die berufliche Relevanz für den jeweiligen Ausbildungsberuf vermitteln.

 -       Laut Lehrplanrichtlinien sollen englischsprachige Inhalte in die Lernfelder integriert werden. Dies erfordert die Förderung kommunikativer Kompetenzen, wie sie im Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen definiert sind (Rezeption, Produktion, Mediation, Interaktion, interkulturelle Kompetenz).

-       Englisch als Fachsprache erfordert die Verfügbarkeit und systematische Nutzung authentischer Lehr-und Lernmaterialien aus den berufsspezifischen Lernfeldern (z. B. manuals, data sheets, user instructions, business letters, software, website contents, complaints, offers, …).

-       Unterschiedliche schulische Vorbildungen der Schülerinnen und Schüler erfordern geeignete Maßnahmen zur äußeren und inneren Differenzierung.

Da sich Englisch im Sinne einer Fachsprache nahezu in allen Ausbildungsberufen wiederfindet und in den Lehrplänen unterschiedlich verortet ist, werden im Fortbildungsangebot mehrere Zielgruppen angesprochen:

Berufsschullehrkräfte,

-        die fachfremd das Fach Englisch im jeweiligen Berufsfeld unterrichten,

-        die gemäß Lehrplanrichtlinie englischsprachige Inhalte in Lernfeldern integrieren,

-        mit Lehramtsbefähigung im Fach Englisch aus fachfremden Berufsfeldern, die im jeweiligen Berufsfeld das Fach Englisch mit Berufsbezug unterrichten.

Die notwendige Differenzierung der Zielgruppen spiegelt sich in einzelnen Modulen des Gesamtangebots wider, das in enger Verzahnung mit den verschiedenen Fortbildungsebenen getragen und veranstaltet wird und in unterschiedlichen Fortbildungsformaten stattfindet.
 

 

Fortbildungskonzept

Das gesamte Fortbildungsangebot besteht aus Präsenz- und Onlineveranstaltungen und stellt diesbezüglich ein Blended Learning-Konzept dar.

Die Präsenzfortbildungen haben einen Umfang von zwei bis drei Wochen. Diese Module werden aktuell durch das europäische Förderprogramm „Leonardo da Vinci – VETPRO[1]“ unterstützt und in Bayern je nach Projektträger lokal, regional oder zentral angeboten. Beispielsweise besuchen die Teilnehmer in diesem Rahmen eine Woche das „Norwich Institute for Language Education“ in England und jeweils eine Woche zur Vor- und Nachbereitung die Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen.

Eine weitere Präsenzveranstaltung stellt ein Betriebspraktikum im Ausland dar. Eine Ergänzung (02.12.2010) zum KMS vom 07.04.94 Nr. VII/10-13/45902 beinhaltet die Maßgaben eines Betriebspratikums im Ausland für Fachkräfte der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Damit ist die Einschränkung auf Lehrkräfte, die Fremdsprachenunterricht erteilen nicht mehr gegeben. Auch das Betriebspraktikum im englischsprachigen Ausland wird durch „Leonardo da Vinci- VETPRO“ gefördert. Die staatliche Berufsschule 2 in Passau stellt z. B. aktuell den Projektträger und organisiert in Plymouth (UK) in Zusammenarbeit mit einer lokal ansässigen Agentur zweiwöchige Betriebspraktika für 14 Berufsschullehrkräfte aus den verschiedenen Berufsfeldern.

 

Flankierend zu den Präsenzangeboten bietet die Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen fünf „moderierte Online-Seminare“ an, die jeweils einen Umfang von 20 - 24 Stunden verteilt auf 4 Wochen haben. In diesem Fortbildungsformat werden maximal 12 Teilnehmende durch Moderatoren/Tutoren betreut, sodass eine individuelle Betreuung bei der Bewältigung der Fortbildungsinhalte gesichert ist.

 

Liegt der Schwerpunkt der Präsenzveranstaltungen im englischsprachigen Ausland eindeutig auf der Verbesserung kommunikativer Sprachkompetenzen verbunden mit dem Eintauchen in den englischsprachigen Alltag, setzen die Online-Angebote auf methodisch-didaktische Fortbildungsinhalte, um die Vermittlung kommunikativer Kompetenzen gezielt fördern zu können. Innerhalb der moderierten Online-Seminare finden zusätzlich Sprechstunden und Abschlussbesprechungen statt, die über synchrone Kommunikationswerkzeuge (z. B. Webkonferenzen) realisiert werden, sodass im Rahmen dieser Möglichkeiten ebenso die Sprechfertigkeit der Lehrgangsteilnehmerinnen und –teilnehmer trainiert wird. Die Online-Module sind inhaltlich zunächst berufsfeldunabhängig und erhalten den Berufsbezug im Verlauf des Online-Seminars durch die Beiträge der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus verschiedenen Berufsfeldern, z. B. durch die Bildung von Berufsfeldtandems. Der Inhalt der Abschlussaufgabe ist eine ausgearbeitete Unterrichtssequenz, die im Zusammenhang mit dem jeweiligen Lehrgang steht und in Kleingruppen synchron in einem virtuellen Klassenzimmer präsentiert wird. Die anschließende Erprobung der Unterrichtssequenzen findet zeitlich flexibel im Nachgang der Fortbildung statt. Für den gegenseitigen Austausch von Erfahrungen und Material steht die Lehrgangsumgebung auch nach dem Veranstaltungszeitraum zur Verfügung.

 

Sofern angebotene Lehrgänge keine Fortbildungssequenz bilden (mit einer Bewerbung geht die Teilnahme an mehreren Fortbildungs-Modulen einher), können sich interessierte Lehrkräfte je nach Bedarf und zeitlichen Ressourcen auch für einzelne Module bewerben. Gerade die Lehrgänge im Online-Bereich bieten zeitliche Flexibilität und werden regelmäßig angeboten.

 

Das gesamte Fortbildungskonzept berücksichtigt vor allem die grundsätzlichen Erfordernisse, die an den Unterricht, in dem Englisch als Fachsprache in der beruflichen Bildung angesiedelt ist, gestellt werden.
D. h. in den einzelnen Fortbildungsmodulen stehen der strenge Bezug zum beruflichen Handeln (z. B.
Beratung eines Kunden) und die Vermittlung notwendiger Kompetenzen (z. B. Basisinformationen zur Kundenberatung angeben, ermitteln, dokumentieren und auswerten) innerhalb der verschiedenartigen Kernarbeitsaufgabenbereiche im Vordergrund

 

Methodisch/Didaktische Fortbildungsinhalte greifen daher berufliche Handlungssituationen (z. B. ein Telefongespräch mit einem Kunden führen, eine Produktspezifikation zusammenfassen und vermitteln, …) auf und vermitteln die Gestaltung von Lernsituationen und kompetenzorientierten Aufgabenstellungen. Im Rahmen definierter Kriterien wird den Fortbildungsteilnehmern exemplarisch die Auswahl von

 -       Methoden (z. B. Methoden zur Gestaltung von Aufgaben zur Förderung des Hörverstehens, Leseverstehens, …),

 -       Sozialformen (z. B. Rollenspiel Kunde/Installateur, …) und

 -       authentischen Unterrichtsmedien (multimediale Instrumente, die realistische Einflussfaktoren berücksichtigen)

aufgezeigt, um Ideen für die Feinplanung des eigenen Unterrichts in einem weiteren Schritt selbständig umsetzen und entsprechend an die jeweiligen Schüler eines bestimmten Ausbildungsberufs anpassen zu können.

 
Zudem nehmen die Fortbildungsmodule immer wieder Bezug auf die berufsbezogenen und praxisorientierten Inhalte des KMK-Fremdspachenzertifikats.

 

Enge Verzahnung der Fortbilder

 

Das gesamte Fortbildungskonzept ist durch eine Vielzahl von Beteiligten, verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten je nach Zielgruppe und eine Offenheit gegenüber Beteiligungsmöglichkeiten gekennzeichnet. Um den Wirkungsgrad des Konzepts sicherzustellen, ist daher eine enge Verzahnung und Koordination aller Beteiligten Voraussetzung. Zu diesem Zweck fand erstmalig am 17.4.2012 eine Tagesveranstaltung in der ALP Dillingen statt, zu der „Leonardo da Vinci VETPRO“ - Projektträger, Fortbildner, Projektberater, Online-Moderatoren, Vermittlungsagenturen sowie Interessierte eingeladen waren. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden über die aktuellen Qualitätskriterien, die an Förderanträge gestellt werden, und mögliche Internationalisierungsstrategien informiert und bekamen einen Einblick in die virtuellen Fortbildungsformate. Über eine Live Webkonferenz wurde die Vermittlungsagentur für Praktikumsplätze in Plymouth in den Erfahrungsaustausch einbezogen.

Die neuen Themen und Impulse festigten das Fortbildungskonzept und trugen der Gestaltung des Übergangs in die neue europäische Förderprogrammgeneration 2014 - 2020 bei.

 



[1] Leonardo da Vinci ist das europäische Berufsbildungsprogramm. Die Aktion VETPRO (Vocational and Training Professionals – Berufsbildungspersonal) beinhaltet Fortbildungen und Betriebspraktika für Lehrkräfte beruflicher Schulen und Ausbilder. Die Maßnahmen fokussieren Themen der Personalentwicklung und der Organisationsentwicklung.