Eine Informationsplattform für Lehrkräfte

Das bayerische Erziehungs- und Unterrichtsgesetz eröffnet allen in Bayern lebenden Kindern und Jugendlichen im schulpflichtigen Alter den Zugang zu Bildung. Hiervon sind Kinder von Asylbewerbern mit einer Aufenthaltsgestattung genauso umfasst wie anerkannte oder abgelehnte Asylbewerber oder z.B. Jugendliche, die vollziehbar ausreisepflichtig sind. Seit dem Jahr 2014 werden Asylbewerber und Flüchtlinge auf nahezu alle Landkreise und Kommunen Bayerns verteilt. Damit werden zukünftig weitaus mehr Lehrkräfte als bisher in Klassen mit Kindern und Jugendlichen unterrichten, die neu in Bayern angekommen sind.

Für diese Lehrkräfte bietet die Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen mit dem Portal „Zweitspracherwerb und Sprachförderung im Unterricht für Kinder und Jugendliche mit Flucht- oder Migrationshintergrund“ (http://daz.alp.dillingen.de) eine Hilfestellung an. Der Schwerpunkt liegt aktuell auf den Schularten Grundschule, Mittelschule und Berufsschule. Lehrkräfte finden Informationen zu den Grundlagen der interkulturellen Begegnung und zu Deutsch als Zweitsprache sowie einige Unterrichtsbeispiele und Links zur Unterstützung. Die Informationen zur interkulturellen Begegnung und zu Deutsch als Zweitsprache können dabei über Bayerns Grenzen hinaus von Interesse sein, und auch die Unterrichtsbeispiele werden sich ohne allzu großen Aufwand an die Bildungspläne anderer Bundesländer anpassen lassen.

Insgesamt sollen die Informationen im Portal einen Baustein dazu beitragen, dass die beteiligten Lehrkräfte sich gut auf die neuen Herausforderungen vorbereiten können. Vier Fragen sind dabei grundlegend:

  1. Wie kommen die Schüler an?

  2. Wie begegnen wir ihnen?

  3. Wie lernen sie Deutsch?

  4. Wie unterrichten wir sie?

Diese Fragen werden unter dem Menüpunkt „Grundlagen“ systematisch abgehandelt. Zunächst geht es dort um die Lebensumstände der Flüchtlinge und um rechtliche Fragen. Zweitens werden verschiedene Aspekte einer wünschenswerten Willkommenskultur aufgezeigt, etwa dass man als Lehrkraft auch die Sprache des neu angekommenen Menschen würdigen sollte. Mit den Fragen „Wie lernen die Schüler Deutsch?“ und „Wie unterrichten wir sie?“ wenden wir uns anschließend dem Zweitspracherwerb zu. Ein großer Unterschied zum Unterricht mit Muttersprachlern besteht etwa darin, dass die Sprache der Lehrkraft in viel stärkerem Maß eine Vorbildfunktion erfüllt. Leitende Idee sollte der Bezug zur Lebenswirklichkeit der Flüchtlinge und Migranten sein. Wenn also Grammatik vermittelt wird, dann sollte sie auch in erster Linie die Sprachfähigkeit unterstützen. Damit rücken im Unterricht vor allem die sprachliche Phänomene in den Vordergrund, die besonders häufig in der Umgangssprache, im Lebensalltag Verwendung finden. Zum Beispiel muss ein Verständnis für Wörter und Wendungen aus dem Bereich von Schule und Unterricht hergestellt werden. Im Fachunterricht resultiert daraus ein sprachsensibler Ansatz. Texte werden besonders aufbereitet, Wörter und Begriffe aufwendiger eingeführt, damit die Sprache eine möglichst kleine Hürde beim Erlernen der Fachinhalte darstellt.

Im Schulalltag brauchen Lehrkräfte dazu eigentlich Kompetenzen, die man in einem Studium von Deutsch als Zweitsprache erwerben kann. Lehrkräfte, die über kein Studium oder eine andere berufliche Qualifikation für Deutsch als Zweitsprache verfügen, können sich über das Portal immerhin informieren und erste Anregungen bekommen, wo denn die Unterschiede zum herkömmlichen Unterricht liegen. Das Portal „Zweitspracherwerb und Sprachförderung im Unterricht für Kinder und Jugendliche mit Flucht- oder Migrationshintergrund“ wurde entwickelt vom Referat 1.4 „Interkulturelles Lernen - Deutsch als Zweitsprache“ der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen an der Donau unter der fachlichen Leitung von Angelika Klemenz-Klebl. Das eLearning-Kompetenzzentrum der Akademie hat die Medientechnik und Mediendidaktik beigetragen. Nach Öffnung ist nun in einem nächsten Schritt geplant Online-Fortbildungen mit den zuvor entwickelten Materialien und Inhalten des Portals aufzubauen.